BRUSTIMPLANTAT-ENTFERNUNG TEIL EINS

Wie jetzt? Brustimplantat-Entferung? Denken sich gerade bestimmt Einige. Tatsächlich ist das ein Thema zu dem man im deutschsprachigen Raum wenig bis garkeine Informationen findet und auch kaum Erfahrungsberichte. Nichtmal auf Websites von Plastischen Chirurgen findet man Informationen zur Brustimplantat-Entfernung. Haufenweise Information gibt es dafür zu Brustvergrößerung, Bruststraffung etc.

Bei schwierigen / persönlichen Themen würde ich die Einleitung zu einem Beitrag normalerweise mit „Ich habe lange überlegt, ob ich das hier schreiben soll“ beginnen. Weil es meistens auch so ist. Diesmal ist es aber anders. Als ich meine Entscheidung gefällt habe, habe ich sofort gewusst, dass ich dieses SEHR persönliche Thema nicht für mich behalten werde. Auch wenn ich sonst wenig über solche persönlichen / privaten Themen spreche oder schreibe.

Da ich aber noch nie öffentlich über meine Brustimplantate gesprochen habe (warum auch, geht eigntlich niemanden etwas an) muss ich die Zeit an dieser Stelle mal kurz zurückdrehen, damit ihr die ganze Story kennt.

Im Herbst 2012 habe ich entschieden mir die Brüste vergrößern zu lassen. Ich war knackige 21 und hatte bereits einige Freundinnen mit gemachten Brüsten und fand das wunderschön. Es war damals eine Entscheidung die ICH getroffen habe. Ich hatte weder einen Freund der mich bestärkt hätte noch wollte ich irgendeiner Online Community gefallen. Das war vor Instagram. Man kann also nicht sagen, ich wurde von irgendeiner Seite beeinflusst. Ich fands einfach schön und dachte mir, es ist nichts falsch daran schönere größere Brüste zu haben. Ich war damals auch keineswegs unglücklich mit meinen natürlichen Brüsten. Ich hatte ein schönes B-Körbchen und gut geformte Brüste. Aber mein Gedanke war, wenn es noch schöner geht warum nicht?

Ende November 2012 habe ich mir dann bei einem der bekanntesten Ärzte in Wien die Brüste vergrößern lassen. Von einem B Körbchen auf ein D Körbchen (das mir als C verkauft wurde). Ich habe aktuell (heute ist der letzte Tag) 260ml Silikon in jeder Brust. Hört sich für den einen oder anderen wahrscheinlich nicht viel an, denn was ich aktuell so mitbekomme geht der Trend eher zu ab 300ml Implantaten.

Die ersten zwei Tage nach der OP waren für mich richtig hart. Ich hatte starke Schmerzen und konnte gar nichts alleine machen. Als die Schmerzen weniger wurden, habe ich aufgrund der ganzen Medikamente heftige Probleme mit Magen und Darm bekommen, was die Situation nicht gerade besser gemacht hat. Das ganze hat ca. eine Woche gedauert dann wurde alles erträgerlicher und ich bin auch wieder arbeiten gewesen.

Ich erzähle euch das Alles hier übrigens nicht, weil ich jemanden abschrecken will oder jemandem etwas ausreden will. Ich bin nur wahnsinnig gernevt davon, wie speziell auf Instagram Schönheitsoperationen promotet werden. Schön das Girl XY keine Probleme, keine Schmerzen und nichts hatte. Leider ist aber jeder Mensch anders und das gilt nicht automatisch für jeden. Und ehrlich gesagt macht mich das fast aggressiv. Junge Menschen sind wahnsinnig beeinflussbar und speziell in einem Alter von 16-25 ist man noch in einer Selbstfindungs-Phase. Man hat noch kein ausgereiftes Selbstvertrauen (man denkt vielleicht man hätte eines) und legt auch noch viel zu viel Wert auf die Meinung anderer. Man hat meistens noch nicht viel Negatives erlebt und denkt, kleine Brüste und eine nicht ganz perfekte Nase wären große Probleme.

Ich bin absolut nicht gegen Schönheitsoperationen das wisst ihr, ich habe auch schon nachgeholfen, aber ich würde mich nie hinstellen und sagen, an sich rumschneiden zu lassen ist ganz toll. Schon garnicht als jemand dem täglich 1000de Menschen zuhören. In meinen Augen sind Äußerlichkeiten (zumindest in meiner Generation) viel zu wichtig geworden. Das ist es aber nicht worauf es im Leben ankommt, das kann ich euch sagen. Wenn man im Leben mal mit wichtigen Themen zu kämpfen hat merkt man erst, wie unwichtig so etwas ist. Wie unwichtig kleine Brüste sind oder wie unwichtig 5 Kilo zu viel sind. Und das sage ich als jemand, der sich zumindest beruflich in einer Umgebung aufhält in der es nur darum geht. Aber komischerweise hatte diese oberflächliche Umgebung auf mich eine ganz andere Wirkung. Ich distanziere mich immer mehr davon perfekt aussehen zu müssen. Klar ist mir mein Aussehen wichtig und ich liebe es mich schön anzuziehen und zu stylen. Aber in einem ganz anderen Rahmen. Ich versuche weder jemandem zu gefallen noch mich irgendwie anzupassen.

Das klang jetzt alles so, als hätte ich eine Anti-Haltung gegenüber Schönheitsoperationen (obwohl ich gesagt habe, ich bin kein Gegner). Ich will nur vermitteln, dass Schönheitsoperationen heutzutage viel zu sehr verherrlicht werden. Ich glaube da draußen gibt es Mädels die denken, große Brüste würden ihre Probleme (vorallem die mit sich selbst) lösen. So ist es aber nicht.

Differenzieren muss man allerdings bei Menschen die sich für ihr Aussehen schämen und deren Optik ihr Leben stark beeinflusst. Wenn Frauen zum Beispiel im Sommer nicht an den See wollen, weil ihnen ihre Brüste so peinlich sind, dann würde ich niemals gegen eine Op sprechen. Wenn man so unglücklich mit seinem Körper ist und es wirklich an NICHTS anderem als an dieser Körperstelle liegt, dann würde ich sagen verändere es. Aber auch das kann man meiner Meinung nach erst ab einem gewissen Reifegrad wirklich sagen.

Ich würde nicht sagen, dass ich meine Brustvergrößerung damals bereue. Meine großen Brüste und ich hatten wunderbare Jahre zusammen. Allerdings würde ich es mit meinem heutigen Wissen und Selbstvertrauen nicht nochmal machen. Zudem kommt hier nun der entscheidende Punkt, warum ich vor 1,5 Jahren das erste Mal über eine Brustimplantat-Entfernung nachgedacht habe.

Vor ca. drei Jahren (also drei Jahre nach der OP)  habe ich in der rechten Brust zum ersten Mal ein unangenehmes Gefühl gehabt. Kein Schmerz, einfach unangenehm. Erstmal habe ich mir nichts dabei gedacht und normal weiter gemacht. Nach ein paar Monaten in denen das unangenehme Gefühl mal präsenter war mal weniger, habe ich meinen damaligen Arzt aufgesucht. Der meinte, es kann beim Sport passieren, dass sich das verwachsene Implantat löst und sich dann bewegt und ich es dann spüre. Alles nicht schlimm, ich sollte einfach für 3 Wochen auf Sport verzichten. Gesagt getan. Hat mir aber leider nicht geholfen, denn ich habe weiterhin gespürt, dass da etwas ist. Als nächstes habe ich dann vor ca. 1,5 Jahren ein MRT machen lassen bei dem, ratet mal, wieder nichts herauskam. Alles sah in Ordnung aus und keiner weiß, was ich da spüre oder woher das unangenehme Gefühl kommt. Ich habe auch regelmäßig einen Ultraschall beim Frauenarzt machen lassen und da wurde auch nichts Ungewöhnliches festgestellt. Da es gesundheitlich nie ein Risiko dargestellt hat, habe ich einfach weiter damit gelebt. Allerdings war es dann im letzten Jahr oder sogar schon länger so, dass ich nichtmehr ohne BH schlafen konnte und bei vielen Bewegungen die den Brustmuskel beanspruchen schon fast Schmerzen hatte. Ich erinnere mich an eine Fahrt mit dem Roller letztes Jahr, bei der mir sogar das Gasgeben wehgetan hat. Und an einen Schwimmversuch in Griechenland letzten Oktober, den ich abgebrochen habe, weil es mir zu unangenehm war in der Brust.

Ich habe also die letzten drei Jahre mit Brüsten verbracht die mich nicht mehr wahnsinnig glücklich gemacht haben. Im Gegenteil, zeitweise war ich unglücklich damit. Die Schmerzen/bzw. das unangenehme Gefühl sind das Eine, aber es gibt noch einen zweiten Grund der mich irgendwann ins Grübeln gebracht hat. Und zwar ist das die Optik meiner eigentlich perfekten Brüste. Die ersten paar Jahre fand ich sie ganz toll und  habe ich sie auch gerne gezeigt. Habe viele Oberteile mit Ausschnitt getragen, gerne einen Bikini angehabt usw. Aber mit dem Alter ändert sich auch das bei manchen. Mittlerweile finde ich persönlich große Brüste nicht mehr so toll und manchmal sogar unpratkisch. Wer mich kennt weiß, dass ich NIE etwas mit Ausschnitt trage weil es mir Erstens nicht mehr gefällt und Zweitens, weil man automatisch abgestempelt wird, wenn man zu viel von seinem D-Körbchen zeigt (überhaupt wenn man Blond ist). Es hat sich einfach mein Selbstbild verändert bzw. gefestigt und perfekte große Brüste sind mir nicht mehr wichtig.

Ginge es nur um mein Äußeres würde ich mich nicht freiwillig nochmal unters Messer legen, denn das war auch die einzige Operation meines Lebens bisher und wenn wir uns ehrlich sind, war sie nicht notwenig. Es ist ein Risiko das man freiwillig eingeht. Aber womit ich keinesfalls länger leben möchte ist das Unwohlsein in meiner rechten Brust. Das ist der Grund warum ich letzten Sommer entschieden habe, die runden Plastikdinger loszuwerden.

Warum aber erzähle ich euch von diesem ach so privaten Thema. Weil ich weiß, dass es noch andere Mädels gibt, denen es genauso geht. Allerdings scheint die Entfernung von Brustimplantaten ein Tabu-Thema zu sein. Deshalb erzähle ich es euch. Als ich vor 1,5 Jahren angefangen habe über Brustimplantat-Entfernung zu recherchieren, habe ich einfach NICHTS gefunden. Zumindest im deutschprachigen Internet. Irgendwann bin ich auf Youtubevideos von Amerikanerinnen gestoßen die mir aber nicht wahnsinnig weitergeholfen haben, denn jede von ihnen hatte ca. 600-1000ml Riesen-Brüste, was so garnicht vergleichbar war mit meinem Fall. Es gab noch 2-3 Artikel über Victoria Beckham und Nicole Kidman die ihre Implantate entfernen haben lassen, aber das wars dann schon. Ich habe kaum Infos gefunden, ob es aufwändig ist, was es kostet, wer es macht, wie es nachher aussieht, was die Risiken sind etc. Demnach ist es mir ein Bedürfnis meine Geschichte mit euch zu teilen.

Ich habe nun einen langen Recherche- und Ärzte Marathon hinter mir. Mittlerweile weiß ich auch, was das Problem mit meiner rechten Brust ist. Ich hab eine Kapselfibrose im Anfangsstadium. Heißt so viel wie mein Implantat hat sich verkapselt (der  Körper baut eine feste Bindegewebsschicht um das Implantat) und wird zunehmend härter und verformt sich leicht. Noch ist aber alles soweit in Ordnung, dass ich die Implantate nicht aus gesundheitsgefährdenden Gründen entfernen müsste. Früher oder später müsste ich sie allerdings sowieso tauschen/entfernen lassen.

Es war nicht leicht den richtigen Arzt zu finden und erst recht nicht, diesen großen Schritt dann auch tatsächlich zu wagen. Aber für mich fühlt es sich richtig an und deshalb werde ich mich in einer Stunde in den Zug Richtung Wien setzten und morgen Früh meine Brustimplantat-Entfernung machen lassen.

Eigentlich wollte ich euch in diesem Beitrag schon alles zu meiner Recherche, meinen Ängsten und Erfahungen erzählen, allerdings ist der Beitrag jetzt schon so lang, dass ich es in zwei Teile aufteilen werde. Bzw. wird es natürlich auch einen dritten Bericht nach der OP geben. Falls sich jemand fragt, warum ich eigentlich erst einen Tag davor damit rausrücke; Naja es ist ein privates Thema und auch wenn ich von Anfang an wusste, wenn ich diesen Schritt gehe teile ich ihn, habe ich trotzdem Respekt davor mich so zu „outen“. Das macht mich in diesem Moment zur Zielscheibe, auch wenn ich nicht nach der Meinung von irgendjemandem frage, bekomme ich sie dennoch aufgedrückt. Daher mein zögern bis heute.

Falls ihr zu den Themen aus diesem Beitrag Fragen habt, lasst es mich gerne wissen. Für den zweiten Teil klick HIER.

Love, Christina

KOMMENTARE (24)

  1. RandomInstaStalker

    Wow danke für das zeigen einer ganz anderen seite von dir und generell diesem beauty thema. Gerade aus männlicher Sicht sehr „interessant“. Sehr starker Schritt von dir und viel erfolg und vorallem gesundheit weiterhin!

  2. Jacqueline

    Ich hoffe du berichtest noch wie es dir jetzt ohne geht.
    Vielleicht auch ob eine Straffung notwendig war und / oder ob du deine „alte“ Brust wieder hast.
    Ich habe das gleiche Problem nämlich links

  3. Kristina

    Hallo Christina,
    Ich habe exakt die selben Probleme und manchmal zeichnet sich an einer Brust wie eine naht ab… sie schmerzt und jeder Ultraschall und auch sonstige Untersuchungen ergebnislos…
    dein Block hilft mir gerade sehr und ich danke dir ….
    seit einem Jahr denke ich auch daran es entfernen zu lassen.
    Auch mit BH schlafen nachts nervt mich ist aber ohne nicht möglich.. obwohl ich recht kleine natürliche Körbchen bekommen habe …
    LG Krsitina

  4. Svenja

    Ein sehr interessanter Beitrag, der mal eine andere Seite beleuchtet ohne einseitig zu wirken. In letzter Zeit waren ja zwei „größere“ Blogger die sich die Brüste vergrößert haben lassen, welches völlig legitim ist, aber mit der Reichweite vielleicht für jüngere Mädels nicht ganz problemlos. Gute Genesung!

  5. Resa

    Toller Beitag liebe Christina 🙂 und es freut mich sehr, dass es dir bereits so gut nach der Entfernung geht <3 Ich finde es toll, dass du so offen darüber schreibst und du somit anderen Mädels ggf. weiterhilfst. Ich bin 23 Jahre alt und bin mittlerweile zufrieden mit meiner kleinen Körbchengröße. Das hat aber auch einige Jahre gedauert … als Teenager war ich nie zufrieden und habe mich oft unwohl gefühlt …

  6. Svenja

    Ein sehr interessanter Beitrag, der mal eine andere Seite beleuchtet ohne einseitig zu wirken. In letzter Zeit waren ja zwei „größere“ Blogger die sich die Brüste vergrößert haben lassen, welches völlig legitim ist, aber mit der Reichweite vielleicht auch für jüngere Mädels nicht ganz unproblematisch . Alles Gute für deine OP und schnelle Genesung!

  7. Annie

    Richtig gut geschrieben und so wahre Worte. Finde es super das du es nieder geschrieben hast und uns mitteilst. Denn auch das ist die Realität. Wünsche dir für morgen alles gute und hoffentlich nicht so dolle Schmerzen.

  8. Manu

    Liebe Christina, ich wünsche dir viel Erfolg für deine OP. Es wird bestimmt alles gut gehen und vielen Dank für deine Offenheit! Man liest ( in letzter Zeit) viel über Schönheitsoperationen, vor allem Brustvergrößerungen, so dass dein Beitrag wirklich Mal eine schöne Abwechslung ist. Man sieht einfach auch einmal die andere Seite und das ist auch für jemanden, der keine Operation hat, sehr interessant und hilfreich.
    Viel Erfolg morgen und erhole dich gut, Manu

  9. Sarah

    Wow danke finde ich wirklich spannend und interessant. Ich selber habe zwar keine Implantate aber find es klasse das du darüber schreibst. In einer oberflächlichen Instawelt ist es sehr erfrischend mal jemand normales zu erleben der trotzdem Erfolg hat! Thanx

  10. Natascha Enzesberger

    Hallo liebe Christina.
    Ich habe mir meine Brüste auch Vergrößern lassen zum ersten mal 2011 und dann hatte ich auch eine Kapselfibrose nur war bei mir die Brust schon total angeschwollen oder besser gesagt mit flüssigkeit gefüllt.
    Ich hab sie mir dann entferne lassen und ca. 6 monate danach wieder neue machen lassen. Ich habe dann 2015 meinen 2 Sohn bekommen und bin nicht mehr so glücklich damit und auch ich spüre immer ein ziehen in der Brust und auch schmerzen irgendwie komisch unangenehm. Ich hab sie mir bei Dr. Worseg machen lassen und über die behandlung könnte ich nichts schlechtes sagen ich würde da immer wieder hingehen ich habmi h bei ihnen sehr wohl gefühlt deshalb habe ich mich für sie entscheiden.
    Ich wünsche dir viel glück morgen bei der OP
    Liebe grüße Natascha

    • Biluca

      Danke für das Teilen deiner Erfahrung! Scheinbar gibt es doch mehr Frauen, die davon betroffen sind! Ich war damals auch bei Dr. Worseg und war auch sehr zufrieden 🙂

  11. Denise Giesser

    Finde das mega toll das du das so offen erzählst. Es kostet bestimmt mega viel Kraft das zu schreiben und versteh deine Ängste . Finde das Thema sehr interessant da ich selbst schon oft über eine Vergrößerung nachgedacht hab ( nach der Schwangerschaft sehen sie ja nicht mehr so toll aus) aber deine Geschichte gibt mir zu denken ob es wirklich notwendig ist. Danke für deine schönen Worte und das du sie mit uns teilst . Viel Glück für die Entfernung hoffe du wirst danach wieder glücklich ohne Schmerzen Lg

  12. Gerti

    Alles Gute für deine OP Christina!! Ich habe zwar keine Brustimplamtate, aber dennoch fand ich deinen Blog sehr interessant und werde ihn natürlich weiter verfolgen. Alles Liebe – Gerti

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